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Malta, der schönste Steinhaufen des Mittelmeeres ist mit seinen 315km2 und 380.000 Einwohnern der zweitkleinste Staat, der sich der EU angeschlossen hat. Noch ist Malta ein Paradies für historische Fahrzeuge vor allem britischer Herkunft, leider nicht mehr lange. Da alles Gute derzeit aus Brüssel kommt ist es höchste Zeit, Malta einen Besuch abzustatten. Seit dem Betritt zur EU versuchen die europäischen Bürokraten ihre Richtlinien und Normen auch auf diesem Inselstaat durchzusetzen. Bis dato nur mit mäßigem Erfolg jedoch wird auch hier das Besitzen älterer Fahrzeuge zu einem Problem.
(...wir schreiben das Jahr 2005, ganz Europa ist von Brüsseler Bürokraten besetzt. Ganz Europa ? Nein ! Ein kleiner Inselstaat im Mittelmeer (...))
Bereits zweimal zog es mich auf das wilde Malta: September 2004. Jeden ersten Sonntag im Monat trifft sich der Malta Mini Club im Hafen von TaXbiex, es folgt eine kleine Ausfahrt über die Insel. Ein großes rotes Kreuzchen im Terminkalender und dieser Urlaubsprogrammpunkt war Pflicht. Hier traf ich auch erstmalig auf Marco, Pablo und Kenneth.

Zur Historie, die Mini-Produktion auf Malta: In den 60ern stieg der Bedarf an Fahrzeugen auf Malta drastisch an und unter dem Namen Car Assembly Ltd beschloß man, eine eigene Fahrzeugindustrie aufzubauen. Neben Triumph Herald, Hillman Hunter und Morris Marina wurde auch der Mini in den Produktionshallen des Ortes Marsa gefertigt. Leider sind keine fotografisch interessanten Überreste mehr vorhanden, die Produktion wurde bis 1981 aufrecht gehalten. Wie so vieles auf dieser Insel trägt auch der auf Malta gefertigte Mini als kleine aber feine Besonderheit das Malteserkreuz. Dieses wurde in schickem Chrom gerahmt und befindet sich serienmäßig auf dem Dreiecksblech.

März 2005, der zweite Besuch auf den Inseln. Via e-Mail hatte ich unseren Aufenthalt angekündigt und wurde auf einem Freitag Abend mit einem freundlichen welcome back von Marco und Pablo begrüßt. Der Abend begann mit dem Tausch kleiner Gastgeschenke: Man tauschte wertlose Glasperlen gegen Gold, Silber, Cacaobohnen (...) und nein !!! Keine Sorge, es waren kleine Mini-Modelle und das große Mini-Buch, die ihren Besitzer wechselten.
Während wir in einer kleinen Hafenkneipe die Vorzüge des Guinness genossen, wurde über Mini-Treffen, Minis an sich als auch diverse Veranstaltungen gefachsimpelt. You have to come to Braunschweiger Mini Tage, its only three hours with Air Malta and they serve a superb Gin-Tonic !!!
Sonntag gegen Mittag man besichtigte gerade den Busbahnhof und die Altstadt der Hauptstadt Valletta erreichte mich ein Anruf. PS: Daß ich in meinem nächsten Leben Busfahrer auf Malta werde, das ist ja wohl klar, oder ?

Zurück zum Anruf: Hej, hier ist Pablo. Wir haben auf Malta eine Rennstrecke und es sieht so aus, als wenn ein Clubkollege seinen Mini in das Finale bringt. Interesse ?Vergeßt die Formel 1 oder die DTM: Motorsport wird in Malta auf einer kleinen aber staubigen Rennpiste unter härtestem Einsatz gefahren. Den Piloten, den es anzufeuern galt, der nennt sich Steve und zum Zeitpunkt unserer Ankunft stand er und seine Mini kurz vor dem Halbfinale. Das Reglement ist überschaubar für jeden Motorsportenthusiasten: Hauptsache der Mini fährt vorne !!!


Zusammen mit Pablo und seinem Sohn Isaac wurde das Rennen verfolgt. Der Mini startet in der 1400ccm-Klasse gegen Fahrzeuge, die vor etlichen Jahren und diversen Treffern einst Ford Escort, Opel Corsa oder Alfa-Romeo waren. Ein perfekter Start im Halbfinale, der Mini setzte sich mit weitem Abstand von den Verfolgern ab. Das Finale einige Minuten später gestartet nicht ganz so zufriedenstellend. Steve galt bereits vor Rennbeginn als Favorit und wurde zunächst von zwei Fahrzeugen gebremst. Dennoch, immerhin Platz 3 im Gesamtklassement.
Kann man Malta weiterempfehlen ? Auf jeden Fall. An jeder Ecke stehen interessante Fahrzeuge aus den 60ern. Wer seinen persönlichen Horizont soweit erweitert hat, dass er mit einem Hundeknochen-Escort, Morris Minor oder Riley Kestrel etwas anfangen kann, der wird seine Reise so schnell nicht vergessen. (...sämtliche Fahrzeuge werden im Alltag genutzt und man kann beobachten, wie die Fischkisten im Hafen von Marsaxlokk im Kofferraum von Automobilen landen, die bei uns im Museum stehen würden...) *aua*
Kulturell ist erstaunlich, was Malta zu bieten hat. Kirchen von außen, Berge von unten und Gaststätten von innen ist generell ein guter Reisetipp (Quelle: Strubix, Mini IG Hamburg). Es empfiehlt sich jedoch, zumindest in Bezug auf die Kirchen und Kathedralen in diesem Land eine Ausnahme zu machen. Berge gibt es zum Glück nicht. Malta ist ein Steinhaufen. Wer bereits sein Herz an die Balearen und/oder weiche Sandstrände vergeben hat, der sollte die Finger von Malta lassen. Schroff fallen die Felsküsten in das Meer.
Der Einfluß ist traditionell englisch was den Vorteil hat, dass sich die Zahl deutscher dieses-ist-mein-Liegestuhl-Handtuch-draufwerf-Urlauber in Grenzen hält. Die Engländer sind angenehm und meist älteren Semesters. Sie verbringen gerne die kalte heimische Jahreszeit (also Januar bis Dezember) auf Malta. Die maltesische Küche ist sehr durch den Einfluß der ungeliebten Eroberer vergangener Jahre geprägt. Es gibt englisches Frühstück, italienisch angehauchte Pasta und man kann hervorragend Fischgerichte gewürzt nach arabischer Art genießen. Finger weg von den Hotels in Sliema und St. Julians. Hier reihen sich sämtliche Bausünden der 70er aneinander. Die kleinen Orte Bugibba und St. Pauls bieten die perfekte Basis für Touren. Unbedingt empfehlenswert ist der Besuch der Nachbarinsel Gozo.
Die Gastfreundschaft ist überwältigend.
Zurück zum Thema Mini: Sonntag, später Nachmittag. Kurzfristig werden wir noch zu Kenneth und in seine Tiefgarage eingeladen. Neben einem Alltags-Mini-Van staunt man über seinen perfekt restaurierten Mini Pick-up als auch über einen Mini Mayfair, der scheinbar mit allem versehen ist, was der verchromte Zubehörmarkt hergibt. Die Werkstatt ist der Traum eines Mini-Enthusiasten. Ältere Prospekte, Werbeschilder und hunderte Spielzeug-Minis runden einen traumhaften Sonntag ab. Und, ich bekomme eines meiner heißersehnten Built-on-Malta-Badges geschenkt !!! (s.o.)

Marco, Pablo and Kenneth, thank you very much for your hospitality and for showing us around. Be sure to be welcome in Germany at any time !!! :o)